Geigenbau Marta Nahlik
Werkstatt oder Instrument

Studium

Begleitend zum Bau von Instrumenten vertiefe ich mich auf theoretischer Ebene in angrenzende Themenfelder, um historische Fertigungsweisen, Stilistiken und Anforderungen besser zu verstehen. Meine Recherche stützt sich dabei auf den Austausch mit Kolleg*innen, Fachliteratur und die Arbeit an Originalinstrumenten zumeist in Museen.

Instrumentenbau vor 1760 an der Ostseeküste

In meiner Abschlussarbeit habe ich mich mit dem frühen Instrumentenbau rund um die Ostsee beschäftigt. Es entstand eine Skizze mit 211 Objekten und 134 Namen, die den Geigenbau vor 1760 in insbesondere den Orten Stockholm, Königsberg, Danzig, Lübeck, Hamburg, Kopenhagen und Ängelholm bezeugen. Zu Beginn der Arbeit vermutete ich stilistische Gemeinsamkeiten, die ich anhand der Merkmale Köpfe, Adern, Ränder, Material und der Wirbelkastenvorderseite versuchte zu belegen. Der europäische Geigenbau des 17. und 18. Jahrhunderts abseits des italienischen Geigenbaus weist ganz eigene Schönheit und Marken auf, wird bisher aber leider noch zu wenig wertgeschätzt, beachtet und erforscht.

Historische Halsmensuren

Die moderne Halsmensur ist streng standartisiert. Das ist an historischen Instrumenten dagegen nicht sichtbar. Vielmehr werfen sich Fragen auf, welche Distanzen als Referenzen in der Herleitung der Halsmensur genutzt wurden und ob es instrumententypische und geographische Trends gab. In meiner Studienarbeit habe ich mich auf die Suche nach im Europa des siebzehnten Jahrhunderts gefertigten Instrumenten begeben, die noch ihre originale Halsmensur besitzen. Ich habe verschiedene Maße der Instrumente gesammelt und verglichen um autentischen historischen Halsmensuren näherzukommen.

Ein Bratschenmodell nach Johann Christian Hoffmann

1726 wurden von der Thomaskirche Leipzig Streichinstrumente aus der Werkstatt von Johann Christian Hoffmann gekauft. Die Instrumente werden bis heute in der Thomaskirche aufbewahrt, haben aber seither tiefgreifende Umbaumaßnahmen erfahren. In meiner Studienarbeit habe ich mich mit der Bratsche auseinandergesetzt und versucht, mögliche Originalzustände herzuleiten.

Mittelrippen

Die üblichste Bauform von Instrumentendecken beinhaltet einen Bassbalken, der bassseitig längs das Instrument verstärkt. Bassbalken werden zumeist aus einem schmalen Fichtenstreifen gefertigt und exakt in die Wölbung eingepasst und -geleimt. Neben dieser Bauweise existierten jedoch auch andere Arten, die Decke zu verstärken. Dazu zählen etwa aus dem Deckenholz stehengelassene Bassbalken und deren Sonderform einer mittig verlaufenden "Rippe". Historische Referenzen mit Mittelrippen sind etwa die alemannischen Instrumente. Welche akustischen Folgen die Konstruktion mit Mittelrippe hat, untersuchte ich in meiner Bachelorarbeit anhand von Instrumenten eines Tiroler Geigenbauers sowie in einem eigenen Bauprojekt zweier ansonsten baugleicher Geigen.